Jahrbuch 2021

Nr. 3 Historisches Jahrbuch Marzahn-Hellersdorf 2021

Inhalt

 

Wolfgang Brauer

Vorwort

 

Juliane Witt (Bezirksstadträtin für Kultur)

Heimat und Geschichtskultur brauchen neue Partnerschaften - Grußwort zum „Tag der Regional- und Heimatgeschichte“ 2021

 

Joachim Klee

675 Jahre Kaulsdorfer Kirchengeschichte. Ein Überblick

 

Christa Hübner

Kaulsdorf in den ersten Jahrhunderten nach seiner Gründung

 

Karl-Heinz Gärtner

Kaulsdorfer Gaststätten Geschichte(n)

 

Karin Satke

Von der Wilhelmstraße zum Mädewalder Weg als Beispiel der Besiedlung von Kaulsdorf-Mitte

 

Wolfgang Bauer

„Zur freundlichen Erinnerung ...“. Ein Fotoalbum Hans Füssels für seinen Mitarbeiter Willi Wolf

 

Monika Rank

Kaulsdorf in den 1970er-Jahren

 

Christa Hübner

Licht und Auge der Mark. Dem brandenburgischen Kanzler und Mahlsdorfer Dorfherrn Lampert Distelmeyer zum 500. Geburtstag

 

Frank-Burkhard Habel

Peter Edel - Antifaschist, Grafiker, Schriftsteller

 

Erika Rossner

Der Illustratorin Ingeborg Meyer-Rey zum 100. Geburtstag

 

Ina Iske-Schwaen

Kurt Schwaen: „Ich wohne nicht in Berlin, ich wohne in Mahlsdorf“

 

Karl-Heinz Gärtner

Kinos in Biesdorf

 

Wolfgang Brauer

Chronik 2020

 

Abbildungsnachweis

 

Autorinnen und Autoren

 

Vorwort

Der dritte Band unseres „Historischen Jahrbuches“ entstand unter besonderen Bedingungen. Bereits das Jahr 2020 – in der „Chronik 2020“ am Ende dieses Buches finden sich zahlreiche Belege – war von der Corona-Pandemie geprägt. In unserem Bezirk wurden allein bis zum 31. Dezember 2020 4.937 Infektionen mit dem Sars-COVID-19-Virus registriert.[1] Die im Zusammenhang mit der Pandemie-Bekämpfung erfolgten Maßnahmen wie Bibliotheks- und Archivschließungen und der danach zumindest für die Archivnutzung beschränkte Zugang erschwerten und erschweren auch regionalwissenschaftliches Arbeiten erheblich. Dazu kamen vielfältige Einschränkungen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens.  Zahlreiche geplante Veranstaltungen und Ausstellungen konnten nicht stattfinden. Die auch für dieses Jahrbuch vorgesehene Ausstellungsübersicht für das Jahr 2020 hatte sich damit erübrigt. Die wenigen Expositionen, die dennoch zumindest eröffneten, teilweise aber nur wenige Tage zugänglich waren, werden wir daher im nächsten Jahrgang berücksichtigen.

Angesichts dieser schwierigen Bedingungen möchte ich seitens der Herausgeber allen Beiträgerinnen und Beiträgern unseren Dank dafür aussprechen, dass sie es geschafft haben, uns ihre – wie ich finde – gewichtigen Wortmeldungen in Sachen Regional- und Heimatgeschichte zur Verfügung zu stellen.

Inhaltlicher Schwerpunkt auch dieses Bandes sind wieder die des „Tages der Regional- und Heimatgeschichte“ unseres Vereins, der am 30. Oktober 2021 in der Jesuskirche Kaulsdorf, wenn auch unter eingeschränkten Pandemiebedingungen, stattfinden konnte. Der Tagungsort wurde von uns bewusst gewählt, die Konferenz stand unter dem Titel „675 Jahre Kaulsdorf“. Der Jahrestag  der urkundlichen Ersterwähnung fällt zwar erst auf den 6. Dezember 2022, aber diese Konferenz und die vorliegende Publikation sollen historisch interessierten Leserinnen und Lesern Zugänge zur Geschichte des heutigen Ortsteiles unseres Bezirkes noch vor dem eigentlichen Jubiläum auf dem aktuellen Forschungsstand ermöglichen. Vermittelt unsere Publikation den kommunalpolitischen Akteuren des Bezirkes zudem Anregungen, diesem Jubiläum ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu widmen, als dies Mahlsdorf im Jahre 2020[2] widerfuhr, so liegt das in unserer Absicht.

In ihrem Grußwort zum erwähnten „Tag der Regional- und Heimatgeschichte“ weist Frau Bezirksstadträtin Juliane Witt nicht nur auf diesen Zusammenhang zwischen Heimatgeschichtsarbeit und Kommunalpolitik nachdrücklich hin. Besonderes Augenmerk richtet sie auf diverse Aspekte der Gedenkkultur. Joachim Klee berichtet über „675 Jahre Kaulsdorfer Kirchengeschichte“ – vorzüglich über die Bau- und Ausstattungsgeschichte des Kaulsdorfer Gotteshauses. Dass diese immer im Spannungsfeld zwischen den Möglichkeiten der Dorfgemeinschaft und der Finanzierungsbereitschaft der jeweiligen Patronatsherren lag, macht er auf beeindruckende Weise deutlich. Alle brandenburgischen Gemeinden hatten bis in die jüngste Zeit unter den ständig die Mark verzehrenden Kriegen zu leiden. Für Kaulsdorf und seine Kirche – das betraf in ähnlichem Maße auch Mahlsdorf und Biesdorf – machte sich in dieser Frage die unmittelbare Lage an der Heerstraße zwischen Berlin und Küstrin besonders ungünstig bemerkbar. Christa Hübner schildert dies detailreich in ihrem Beitrag über „Kaulsdorf in den ersten Jahrhunderten nach seiner Gründung“ am Schicksal des Ortes in den Jahrzehnten des Dreißigjährigen Krieges, der in unserer Region sich zwar nicht durch große Schlachten bemerkbar machte, sie aber dennoch nachhaltig verwüstete. Schwerpunkt ihres Aufsatzes ist aber nach der Gründungsphase des Ortes – über die nur spärliche Quellen vorliegen – die Zeit des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit. Ihr gelingt eine eindrucksvolle Darstellung des bäuerlichen Lebens und der häufig wechselnden Besitzverhältnisse, die Kaulsdorf durchaus immer wieder in eine enge Wechselbeziehung mit der „großen“ berlin-brandenburgischen Geschichte brachten. Zu den strukturellen Konstanten unserer Dörfer gehörte neben der Kirche immer ein mit Schankrechten versehener Hof, der „Krug“. Zumal, wenn der Ort an einer so wichtigen Handelsstraße, wie der heutigen B 1/B 5 liegt. Karl-Heinz Gärtner erzählt in seinem Beitrag „Kaulsdorfer Gaststätten Geschichte(n)“ von einigen der vor 1945 immerhin rund 40 existierenden Lokalitäten. Auch sein Beitrag hat durchaus kommunalpolitische Dimensionen: Stirbt die Gastronomie ab, ist der Niedergang eines Gemeinwesens programmiert. Karin Satke hingegen untersucht die Geschichte des Mädewalder Weges – und kommt dabei interessanten Geschehnissen der Entwicklung von Wohnungsbau, Einzelhandel und Handwerk in Kaulsdorf auf die Spur.

Wolfgang Brauer schildert anhand eines Fotoalbums, das der Kaulsdorfer Bronzegießer Hans Füssel für seinen ebenfalls in Kaulsdorf ansässigen Mitarbeiter Willi Wolf angefertigt hatte, die Ereignisse um den Abbau des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals 1949/1950, der den Abriss des Schlosses einleiten sollte. Monika Rank beschließt diesen Komplex mit einem Überblick der Entwicklung Kaulsdorfs in den 1970er Jahren. Viele halten dieses Jahrzehnt für „ereignisarm“. Rank kann nachweisen, dass dem nicht so war. Zudem entsteht in dieser Zeit das immer noch virulente Spannungsfeld zwischen der damals noch in den Anfängen ihrer Bauphase steckenden Großsiedlung und dem Dorf sowie den dieses umgebenden Siedlungsarealen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Ein zweiter großer Komplex der Beiträge des vorliegenden Bandes befasst sich mit Persönlichkeiten, die auf direkte oder auch nur indirekte Weise mit der Geschichte unseres Bezirkes verbunden sind. Am 22. Februar 2022 könnte Berlin ein wichtiges Jubiläum begehen: den 500. Geburtstag des kurbrandenburgischen Kanzlers Lampert Distelmeyer. Christa Hübner erzählt die Biografie dieses für die Mark in einer schwierigen Zeit wirkenden Politikers, der unter zwei Kurfürsten, Joachim II. und Johann Georg, diente und – für uns bedeutsam – Dorf- und Gutsherr von Mahlsdorf war. Distelmeyers Bedeutung macht sich auch daran deutlich, dass das Erbbegräbnis der Familie die Jahrhunderte in der Nikolaikirche in Berlin-Mitte überdauert hat. Ich weiß nicht, ob der Schriftsteller und Grafiker Peter Edel jemals unseren Bezirk besucht hat. In Hellersdorf ist aber eine Straße seit 1986 nach ihm benannt, und viele Einwohner unseres Bezirkes schätzen ihn und sein Werk. Das war dem Heimatverein Grund genug, anlässlich des 100. Geburtstages Edels am 12. Juli 2021 eine Festveranstaltung ihm zu Ehren abzuhalten. Den in unserem Jahrbuch dokumentierten Festvortrag hielt der Filmwissenschaftler und Publizist Frank-Burkhardt Habel.

Zwei Beiträge gehen auf Sonderausstellungen des Bezirksmuseums zurück. Vom 22. März bis zum 24. September 2021 zeigte es anlässlich des 100. Geburtstages von Ingeborg Meyer-Rey eine bemerkenswerte Sonderausstellung. Die Mahlsdorferin Ingeborg Meyer-Rey dürfte zumindest allen in der DDR Aufgewachsenen vertraut sein: Sie ist die künstlerische „Mutter“ der Bummi-Figur und zudem die Schöpferin einer Vielzahl von Kinderbüchern, die sich noch immer deutschlandweiter Beliebtheit erfreuen. Die Kuratorin der Ausstellung, Erika Rossner, zeichnet ein liebevolles Porträt der Künstlerin. Ina Iske-Schwaen, die Leiterin des Kurt-Schwaen-Archivs und langjährige Lebensgefährtin des in Mahlsdorf ansässigen Komponisten, stellte uns einen biografischen Text über Kurt Schwaen zur Verfügung, der sicherlich für Viele Unbekanntes und Überraschendes bietet und hoffentlich Lust bereitet, sich wieder einmal Schwaenschen Kompositionen zu nähern. Auch hier war uns eine Sonderausstellung unseres Museums[3] über Kurt Schwaen Anlass Ina Iske-Schwaen um einen Beitrag zu bitten.

Wie die bisherigen Ausgaben unseres Jahrbuches rundet auch diese eine Chronik der Ereignisse des zurückliegenden Jahres ab. Wir haben uns bemüht, das Leben in Marzahn-Hellersdorf in möglichst vielen Facetten darzustellen. Jede Auswahl bedeutet auch ein Weglassen. Sollten wir Wesentliches vergessen habe, wären wir für korrigierende Hinweise dankbar. Dankbar wären wir auch für Bild- und Textangebote für das „Historische Jahrbuch Marzahn-Hellersdorf 2022“, mit dessen Vorbereitungen wir bereits begonnen haben.

Neben den Autorinnen und Autoren möchte ich an dieser Stelle allen Persönlichkeiten und Institutionen Dank sagen, die uns die Nutzung ihrer Bildquellen gestatteten. Mein Dank gebührt dem Redaktionsteam und allen, die uns mit Rat und Tat zur Seite standen, besonders den Mitarbeiterinnen des Bezirksmuseums. Waldemar-Vincenty Seifert danken wir für die wie immer ausgezeichnete Gestaltung. Wir danken dem Senator für Kulturelle Angelegenheiten und dem Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf für die Unterstützung unseres Projektes mit Mitteln des Bezirkskulturfonds des Landes Berlin.

Ich wünsche Ihnen allen eine spannende und erkenntnisreiche Lektüre!

Wolfgang Brauer

Vorsitzender des Heimatvereins Marzahn-Hellersdorf e.V.

Berlin-Biesdorf, am 3. Dezember 2021

 

[1]Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf. Jahrespressegespräch 26. Januar 2021, S. 13.                                                      [2]Vgl. die Beiträge zur Mahlsdorf-Geschichte in: Historisches Jahrbuch Marzahn-Hellersdorf 2019, Heimatverein Marzahn-Hellersdorf e.V. 2019.                                                                                                                                                     [3]„Wer möchte nicht im Leben bleiben ...“ Der Komponist Kurt Schwaen, Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf (Haus 1), 15. August 2021 bis 22. April 2022.