Exkursion nach Kloster Zinna und Luckenwalde am 24.10.2026

Die für Juni geplante Ganztagsexkursion 2026 musste aufgrund der großen Hitze verschoben werden und wurde am 24. Oktober 2026 nachgeholt. Die Ziele waren Kloster Zinna und Luckenwalde. Für die Fahrt stand ein Bus des Unternehmens Reise Riese Kiese zur Verfügung. Die 42 Exkursionsteilnehmer waren trotz des durchgehend regnerischen Wetters gut gelaunt und freuten sich auf einen erlebnisreichen Tag.

Kloster Zinna – Geschichte und Kultur

Die erste Station war Kloster Zinna, ein historischer Ortsteil der Stadt Jüterbog im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg. Bekannt ist der Ort vor allem durch das ehemalige Zisterzienserkloster, das 1170 vom Magdeburger Erzbischof Wichmann gegründet wurde. Ziel der Klostergründung war unter anderem die Erschließung und wirtschaftliche Entwicklung der Region. Über Jahrhunderte prägten die Mönche das geistliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben des Umlandes. Im Zuge der Reformation verließen 1553 die letzten Mönche das Kloster. Der Klosterbesitz wurde anschließend säkularisiert und in ein landesherrliches Amt überführt.

Auf dem Besichtigungsprogramm standen das Abtshaus mit Klostermuseum, die Klosterkirche St. Marien und das historische Siechenhaus.

Das Abtshaus entstand im 15. Jahrhundert, vermutlich zwischen 1430 und 1438. Sein auffälliger spätgotischer Staffelgiebel prägt das Erscheinungsbild der historischen Klosteranlage. Ursprünglich diente das Gebäude als Wohnsitz des Abtes. Nach der Auflösung des Klosters wurde es unter anderem für Verwaltungszwecke und als Residenz genutzt. Die wechselnde Nutzung führte zu baulichen Veränderungen, die im Rahmen späterer Restaurierungsarbeiten teilweise rückgängig gemacht wurden. Besonders wertvoll sind die hochgotischen Fresken in der Abtskapelle. Nach einer umfassenden Sanierung wurde das Gebäude 2025 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Klosterkirche St. Marien ist eine spätromanische Feldsteinbasilika, deren Bau im 12. Jahrhundert begann. Sie beeindruckt durch ihre schlichte, klare Architektur, die dem Ideal des Zisterzienserordens entspricht. Zu den bemerkenswerten Ausstattungsmerkmalen gehören die Gewölbe, die Chorfenster aus dem 15. Jahrhundert sowie die Orgel, die Kanzel und der Taufstein aus späteren Epochen. Seit 2012 wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchgeführt. Heute vereint die Kirche romanische und frühgotische Bauelemente und vermittelt einen eindrucksvollen Einblick in die mittelalterliche Baukunst.

Ein weiterer Programmpunkt war das ehemalige Siechenhaus, das im Mittelalter der Pflege kranker und alter Klosterangehöriger sowie der Unterbringung von Gästen diente. Heute wird dort die Kräuteressenz für den bekannten „Zinnaer Klosterbruder“ hergestellt. Die Rezeptur des Kräuterlikörs ist geheim und geht der Überlieferung nach auf die Klostermedizin zurück. Im Gebäude befinden sich die Klosterdestillerie, eine Ausstellung und ein Klostershop. Zum Abschluss durfte eine Kostprobe des Likörs natürlich nicht fehlen.

Luckenwalde – Innenstadt und Industriegeschichte

Nach dem Aufenthalt in Kloster Zinna führte eine kurze Busfahrt zur nächsten Station nach Luckenwalde, der Kreisstadt des Landkreises Teltow-Fläming südlich von Berlin. Die Stadt blickt auf eine bewegte Industriegeschichte zurück und ist durch ihre historische Architektur geprägt. Insbesondere die frühere Hut- und Textilindustrie hat ihre Entwicklung nachhaltig beeinflusst.

Zunächst kehrte die Reisegruppe zum Mittagessen im Parkcafé Restaurant ein. Das Restaurant liegt unmittelbar am Stadtpark und verfügt über einen Gastraum, einen Wintergarten und einen Außenbereich. Das freundliche und aufmerksame Personal sorgte für einen zügigen Service. Auch die Qualität der Speisen fand bei den Teilnehmern Anklang, sodass sich alle für den weiteren Verlauf des Tages stärken konnten.

Anschließend stand die Besichtigung der Mendelsohnhalle auf dem Programm. Sie ist ein außergewöhnliches Industriedenkmal der frühen Moderne und gehörte zur ehemaligen Hutfabrik Friedrich Steinberg, Herrmann & Co. Die 1923 fertiggestellte Anlage wurde nach den Entwürfen des Architekten Erich Mendelsohn errichtet und gilt als bedeutendes Beispiel expressionistischer Industriearchitektur in Deutschland.

Mendelsohn entwickelte hier eine Architektur, bei der die Gestaltung eng mit den Anforderungen des Produktionsprozesses verbunden war. Die Fabrik sollte nicht nur zweckmäßig sein, sondern zugleich eine neue, moderne Formensprache verkörpern. Zur ursprünglichen Anlage gehörten mehrere Produktionsbereiche sowie ein Kessel- und Turbinenhaus und zwei zusammengehörige Torbauten. Besonders markant war die Färbereihalle, die heute als Mendelsohnhalle bekannt ist.

Das auffälligste Merkmal des Gebäudes ist das charakteristische, schachtartige Dach, dessen Form an einen überdimensionalen Hut erinnert und damit auf die Produktion der Fabrik verweist. Die Konstruktion erfüllte zugleich wichtige technische Aufgaben: Bei den Färbeprozessen entstehende Dämpfe konnten nach oben entweichen, während Oberlichter für natürliches Licht in den Produktionsräumen sorgten. Die Bauweise ermöglichte zudem eine weitgehend freie Hallenfläche. Stahlbeton, Glas und Holz wurden zu einer für die damalige Zeit innovativen Konstruktion verbunden.

Die wechselvolle Geschichte der Halle spiegelt zugleich die industrielle Entwicklung Luckenwaldes wider. Nach ihrer ursprünglichen Nutzung als Teil einer Hutfabrik wurde die Anlage während der NS-Zeit für die Munitionsproduktion verwendet. Später diente sie unter anderem als Reparaturhalle und im Zusammenhang mit der Produktion von Wälzlagern. Nach dem Ende der industriellen Nutzung setzte ab 1990 eine Phase des Leerstands und des zunehmenden Verfalls ein. Zwischen 2006 und 2011 wurde die denkmalgeschützte Anlage umfassend saniert und in wesentlichen Teilen wiederhergestellt.

Die Besichtigung vermittelte den Teilnehmern einen anschaulichen Eindruck von der Bedeutung der Mendelsohnhalle für die Architektur- und Industriegeschichte. Sie bildete einen gelungenen Abschluss des Besichtigungsprogramms in Luckenwalde.

Dank

Der Vorstand des Heimatvereins bedankt sich bei allen Organisatoren, Referenten und dem Busunternehmen Reise Riese Kiese für die Vorbereitung und Durchführung dieser erlebnisreichen und lehrreichen Exkursion. Trotz des regnerischen Wetters war es ein informativer und abwechslungsreicher Tag, der den Teilnehmern die Geschichte und Kultur zweier bedeutender Orte im Landkreis Teltow-Fläming nähergebracht hat.

 

Text und Fotos: Andreas Rinner, Vorstandsmitglied